Barrierefrei in Berlin ?

Ich hätte auch schreiben können: auf Krücken durch Berlin (zu dramatisch) oder keine Barrierefreiheit in Berlin (aus meiner Sicht ist es leider so).
Meine Erfahrungen beschränken sich auf einen relativ kurzen Zeitraum, denn ich bin erst seit rund 4 Wochen “behindert”. Ein gebrochener Fuß, der schlecht geheilt ist, führte zu einer OP.
Im Krankenhaus bekam ich zur Entlassung einen Aircast-Schuh und die Anweisung, Fuß hoch lagern und max. 20 % belasten. Und dann gibt es noch die Krücken.
Vielleicht denkt nun der eine oder andere, was soll das Gejammer? Die Zeit vergeht und es gibt Schlimmeres. Alles richtig, aber was spricht dagegen, die gemachten Erfahrungen auf Gehwegen, in Bussen und Bahnen und mit den Menschen zu schildern?

Fangen wir mit dem Positiven an:
Kommunikation – man wird angesprochen, gefragt, was passiert ist und bekommt gute Wünsche zur Besserung. Mir gefällt das, die Unverbindlichkeit macht es den Umgang angenehmer und leichter.
Neben den Menschen, die den verletzten Fuß und die Krücken wahrnehmen, gibt es genauso viele die Wegsehen. Im Sinne von – dann muss ich nicht aufstehen, keinen Platz in der S-Bahn machen, im Bus nicht zur Seite treten. Klar, was ich nicht sehe, existiert für mich nicht. Wie einfach!
Neben der Reaktion oder Nichtreaktion der Mitbürger, gibt es andere Barrieren im täglichen Leben.
Dummerweise ist mein Orthopäde am anderen Ende der Stadt – eine Taxitour kostet rund 30 Euro. Krankentransporte müssen eingereicht werden und hängen vom Urteil der Krankenkasse ab. Ich habe inzwischen einige Rechnungen zusammen, die ich einreichen werde. Übers Ergebnis kann ich gern berichten, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es zumutbar ist, bei Regen zur S-Bahn zu laufen. Immer unter dem Aspekt, zwei Krücken, wo und wie soll man da den Schirm halten und wie bitte bleibt der Fuß trocken?
Aber zurück zu Bus und Bahn in Berlin. Ich wähle inzwischen Strecken, bei denen ich wenig laufen muss und Bahnhöfe, die Fahrstühle oder Rolltreppen haben. Es empfiehlt sich ein Blick auf die Seite der S-Bahn um zu sehen, was wo funktioniert oder auch nicht.
Dadurch verlängern sich die Wege, man hat ja Zeit, trotzdem sind bestimmte Bahnhöfe “besonders”.
Beispiele?
– Ostkreuz: noch immer haben nicht alle Bahnsteige, Fahrstühle oder Rolltreppen. Auskunft der Bahn: Dann umfahren Sie das. Danke für den Hinweis.
– Heidelberger Platz: man kommt mit dem Fahrstuhl gut zum U-Bahnsteig. Aber der Weg vom Fahrstuhl zum Bahnsteig ist eine große Gefahrenstelle. Wenn man sich nicht vorsieht, wird man überrannt. Also am Besten ganz zur Seite gehen und abwarten. So verpasst man zwar die eine oder andere Bahn, aber anders geht es nicht.
– Breitenbachplatz: kein Fahrstuhl, keine Rolltreppe
– Gesundbrunnen: gibt es dort überhaupt Wegweiser, die stimmen? Man humpelt und humpelt und findet einen falschen Wegweiser nach dem anderen.
– Innsbrucker Platz: zur U-Bahn führt ein Fahrstuhl, man muss sich anstellen, da an der Rolltreppe gebaut wird.
– Schöneweide: die Rolltreppen im Tunnel funktionieren zur Zeit nicht. Wann wurde der Fahrstuhl eigentlich zum letzten Mal gereinigt? Ein WC ist nichts dagegen.
– Treptower Park: das Schild “defekt” war auch gestern angebracht. Auf Nachfrage sagte man mir, es wäre neu. Nicht von gestern oder letzter Woche. Ich solle mich doch auf der Seite der S-Bahn informieren. Ah ja, habe ich vor dem Loslaufen gemacht, da stand nichts über einen “Defekt”.

Das alles sind Momentaufnahmen, aber ich glaube, man sieht worum um es mir geht: Barrierefreiheit ist ein Ziel, das noch sehr weit entfernt ist. Fahrstühle und Rolltreppen müssen einfach funktionieren. Punkt. Tagelanges Warten auf die Reparatur ist unhaltbar. Es gibt so viele Frauen mit Kinderwagen und alte Menschen, die Fahrstühle und Rolltreppen brauchen.
Manchmal hat man den Eindruck, vielen sind die Konsequenzen nicht klar. Jeder sollte versuchen sich in die Situation anderer zu versetzen, Rücksicht zu nehmen, Geduld zu haben. Das wäre ein guter Anfang. Barrierefrei ist Berlin deshalb nicht, aber es macht das Leben leichter.
In diesem Sinne freue ich mich auf meinen nächsten Ausflug zum Arzt.