Erlebnisse mit der Post – eine wahre Geschichte

Wie alle guten Geschichten, beginnt auch diese mit den Worten „Es war einmal … – vor langer Zeit, im vergangenen Jahrhundert, kannte jeder die Worte Service-Wüste Deutschland. Die Menschen sprachen darüber, denn sie hatten sie erlebt. Dann plötzlich, von einem Tag zum anderen, verschwand das Wort und alle freuten sich, weil Deutschland plötzlich keine Wüste mehr war. Die Zeit ging es Land.
Bis im Jahre 2014 eine junge Frau im Krankenhaus lag und traurig war, weil sie die Adventszeit verpasste. Da versprach ihr eine Freundin ein Paket mit vielen Geschenken, das sie zu Hause erwarten würde. Die Frau freute sich, denn sie würde die Wohnung für ein paar Tage nicht verlassen können und Geschenke mochte sie gern. Die Tage verrannen und kein Geschenk traf ein. Nun war der Weg aus Schwaben nach Berlin mit Hindernissen gepflastert, aber zwei ganze Wochen für ein Paket – nein, das war unmöglich. Wahrscheinlich hatte man die Postkutsche überfallen. Wie schade, dachte sich die junge Frau und nahm das Schicksal an. Tage und Wochen vergingen, das Jahr 2014 war vorbei und dann eines Tages war es plötzlich da. Vielleicht war ein Zauber abgelaufen oder die Postkutsche hatte den Weg doch noch gefunden. Am Ende überwog bei der jungen Frau die Freude, denn das Gute hatte gesiegt.

Es vergingen ein paar ereignislose Wochen, deshalb sagte sich die holde Maid – warum mache ich mir selbst ein Geschenk und bestelle ein paar schöne Dinge? Gesagt getan. Nun hätte man annehmen können, dass diesmal alles glatt läuft. Schließlich gibt genug Sprichworte – dafür und dagegen, sagte die unsichtbare Stimme in ihrem Kopf. Und so kam es wie es kommen musste, das Paket wurde in Heller und Pfennig bezahlt, verpackt und verladen und auf die Reise geschickt. Es ging in die Hautstadt des Landes – welche Ehre für ein kleines Geschenk. Das Geschenk sah es genauso, denn nach der Ankunft in der großen, lauten Stadt – es war ein Montag, beschloss es sich einfach noch andere Bezirke, Straßen und Häuser anzusehen. Das jedenfalls nahm die junge Frau an, denn die Postkutsche kam einfach nicht in ihre Gegend. Nach drei Tagen verlor sie ihre Geduld, fragte beim Unternehmen Post an, aber auch das brachte nichts. So griff sie zum letzten Mittel und beschloss die Postkutsche abzupassen. Es war ein Samstag und genug ist genug. Die Frau schaute aus dem Fenster, stellte sich auf den Balkon und schließlich war es soweit und die Post näherte sich ihrer Straße. Schnell lief sie die Treppen herunter (zur Erinnerung – operierter Fuß), aber ihre Sorge war unbegründet. Die Postkutsche hatte sich nicht bewegt und der Fahrer schaute sie freundlich an. Die Frage nach einem Paket verwirrte ihn kurz, schließlich war es schon fast 14 Uhr und er wollte zurück zu Frau und Kind. Aber wahrscheinlich hatte er in den Augen der Frau erkannt, dass sie sich eher vor die Kutsche werfen würde als ihn davonziehen zu lassen. Und so kam es, dass die Berlin-Rundfahrt des Paketes nach 5 Tagen zu Ende war und sie glücklich davonziehen konnte. Einmal und nie wieder versprach sie sich selbst, so etwas kann Dir nun nicht noch einmal passieren. Aber wie es so ist – aller guten Dinge …
Nun ja, man kann auch sagen, sie lernt nicht aus. Warum will sie immer irgendwas haben? Braucht sie das überhaupt? Natürlich nicht, aber es zu spät. Die Lieferung aus dem Ausland war auf dem Weg und am 1. April flatterte die Nachricht in ihren Briefkasten. Einen Tag später meldete sich die Postzentrale und fragte traurig an, warum man denn niemand am 2. April um 10.43 da war. Da stand man nun schon vor der Tür und nun das. Aber man hatte Mitleid und brachte das Paket zu einem guten Freund, nicht der jungen Frau, sondern des Postfahrers.

IMG_1989

Pech nur, dass es leider nicht in der Nähe der Wohnung der jungen Frau war, aber warum war sie auch nicht zu Hause. Strafe muss sein. Als die junge Frau um 17.30 zu Hause ankam, war sie traurig. Schließlich war Ostern und überhaupt. Sie wollte die Hoffnung nicht aufgeben und dachte nach. Diese neuartigen Automobile würden den Weg von 2 km in 6 Stunden schaffen, bestimmt. Hoffnungsvoll rief sie den Freund des Fahrers an und fragte nach. Wie naiv von ihr. Nein lautete die Antwort. Aber vielleicht übermorgen, denn der Autofahrer brauchte sicher eine Nacht Pause!
Leider, sagte eine traurige Stimme am anderen Ende des Telefons, der Automobilfahrer arbeitet am Sonnabend nicht, tut mir leid. Das war natürlich sehr schade, denn die junge Frau wollte ein paar Geschenke basteln. Aber das Schicksal schien gegen sie zu sein. Sie versuchte selbst so ein merkwürdiges Ding wie Facebook – eine Art von Märchenbuch. Man versprach, erklärte und machte nichts. Das Paket würde man vielleicht, eventuell am 7. oder 8. April nach Hause liefern. Dafür hatte sie doch bezahlt, wagte die Maid einzuwenden. Ohne Erfolg. Und als wenn nichts geschähen war, musste sie sich am 8. April zu Fuß auf den Weg machen und ohne Kutsche und Automobil ihr Paket beim Freund des Postfahrers abholen und nach Hause tragen. Und die ganze Zeit fragte sie sich – womit habe ich das verdient!
Aber vielleicht war es ganz normal und sie keine Ausnahme. Komischerweise heiterte sie der Gedanke nicht auf, denn sie hatte genug Probleme einen Platz im Autobus zu finden. Niemand mochte Frauen mit großen Paketen in vollen Bussen.
Am Ende kam sie wohlbehalten, aber derangiert zu Hause an und stellte die Frage der Fragen: wer – wie – was – wieso – weshalb – warum!
Leider schwiegen die Götter wie auch die Postfahrer, Kutscher oder Transporter.

Das war die Geschichte einer Frau, die für eine Dienstleistung bezahlt hat. Die hier erzählte Geschichte hat sich genauso ereignet.
Und habt Ihr so etwas auch schon einmal erlebt?

Written By
More from Kerstin

Link-Tipps zum Thema „Leichter leben“

Hallo, ich habe überlegt, ob ich noch mehr Fotos vom Schuhschrank poste,...
Read More