Besuch der Pfaueninsel und eine Schlossführung der besonderen Art

Vorsicht: Sarkasmus und Ironie
Die Pfaueninsel
Ursprünglich trug das 98 Hektar große Eiland den Namen Kaninchenwerder, da Friedrich Wilhelm I. auf der Insel eine Kaninchenzucht betrieb. Erst unter Friedrich Wilhelm II. sollten Pfauen die Insel bevölkern, deren Nachfahren noch heute auf der Insel leben. Als Sommerresidenz der Königsfamilie wurde in den Jahren von 1794 bis 1797 ein kleines Schloss nach den Plänen der Gräfin Lichtenau errichtet. Dieses Schloss wird nun geschlossen und saniert.

„Schloss auf der Pfaueninsel wird sechs Jahre lang saniert. Die Innenräume sind am Sonntag zum letzten Mal für Besucher geöffnet. Zur anstehenden Sanierung wird es Sonderführungen geben.“

So stand es in den Berliner Zeitungen und natürlich fragt man sich, ob es bei den 6 Jahren bleibt, wahrscheinlich wird es länger dauern. Auch deshalb wollte ich noch einmal  das Schloß sehen und habe mich am Sonntag um 8 Uhr auf den Weg gemacht. Zu Fuß, denn der Weg an der Havel wurde als besonders schön beschrieben. Was auch stimmt, obwohl ich mich oft vor den Kampffahrrad-Fahrern in Sicherheit bringen musste, denn 3 Meter breite Wege sind für viele leider nicht genug. Schließlich war ich um 9.45 Uhr an der Fähre, die dann um 10 Uhr übersetzte. Für 4 Euro pro Person ging es über die Havel auf die Insel. An der Anlegestelle befindet sich der Museumsshop, in den es Tickets geben sollte. Leider wußten die wenigstens wofür man Tickets brauchte und da es keinen Info-Stand gab, verpasste man locker die erste Führung um 10.30 Uhr, obwohl max. 10 Leute in der Schlange standen. Da aber nicht alle ein 6 Euro-Ticket für die Schloßführung kaufen wollten, kam ich in die 11 Uhr Führung.

Eine Schlossführung der besonderen Art

Typisch berlinerisch wurde man erst einmal belehrt, wie man sich zu verhalten hätte. Dann ging es in den ersten Raum und damit zu einem langen Vortrag über die Einmaligkeit des Bauwerkes, kein anderes Schloss so unberührt und im Original vorhanden sein und noch viele andere Einmaligkeit, die damit den Höhepunkt fanden – auf jeden Fall besser als Sanssouci. Ah ja. Und überhaupt.

Aber damit nicht genug, schließlich liegt die Pfaueninsel in Westberlin. Das hätte die Insel gerettet und auch weil bis 1994 die Amerikaner für sie gesorgt hätten. Ein weiteres Ah ja. Ich konnte leider nichts über diese, von ihr verkündeten Tatsache, finden. Nachfragen waren leider unerwünscht  („Bringen Sie mich nicht durcheinander“)

Das Schloss an sich ist wirklich schön, aber wenn man durch die Räume hetzt, macht es keinen Spaß. 6 Euro für  25 Minuten, eine unfreundliche Führung und die Bemerkung, man sei doch nicht dafür verantwortlich, wenn die Besucher so auf den letzten Drücker kommen. Nun ja, kann man so sehen. Sollte man vielleicht nicht gleich bei der 2.Führung sagen. An diesem Punkt spaltete sich unsere kleine Gruppe, in „die arme Frau“ und in „wir möchten aber gern die Räume ordentlich ansehen“. Leider gewann die erste Gruppe, die deshalb auch Trinkgeld gab. Leider war meine Laune nach diesem Erlebnis auf dem Nullpunkt, zumal ich beim besten Willen keine Kenntnis von der Schutzmacht über die Pfaueninsel hatte. Offensichtlich habe ich da eine Bildungslücke.

Wo sind all die Tiere hin?

Aber es gab ja nicht nur das Schloß. Laut Information und Inselplan gab es Büffel und Pferde und auch Pfauen, nichts davon hatte ich bisher erspäht. Mir ging es nicht allein so, denn schließlich schallten über die Insel die Rufe der Kinder nach den Tieren, die aber nicht auftauchten. Komisch.

Ich bin an den Büffelwiesen (ohne Büffel) vorbei gelaufen und mir den Luisen-Tempel angeschaut. Ein schöner ruhiger Ort.

Die Meierei

Die Meierei wurde 1794/95 gleichzeitig mit dem Schloss Pfaueninsel erbaut. Das Äußere des Gebäudes erinnert an eine verfallene Klosterruine. Im Erdgeschoss der Meierei befindet sich ein Stall, in dem Milchkühe untergebracht waren. Daneben gibt es die Molkenstube, wo noch heute das Butterfass zu sehen ist, in dem schon die Gräfin Lichtenau den Milchrahm zu Butter schlug. Auch die hölzernen Butterformen in Pfauengestalt sind erhalten geblieben.

 

 

Die Besichtigung der Meierei war an diesem Sonntag umsonst. Ich habe mich in die Schlange eingereiht und kam schnell voran. Das Gebäude ist eine Art Museum, aber nachdem ich über mehrere kleine Menschen gestolpert bin, die auf dem alten Holzboden mit den Filzlatschen Spaß hatte, gab ich auf. Ähnlich ging es auch den Aufsehern, die mir wirklich leid getan haben. Wie auch immer, es war inzwischen so heiß, dass ich gegen 13 Uhr wieder an der Fähre war. Ich hatte Glück, denn sie kam sofort (voller Besucher) und so habe ich den Bus nach Wannsee bekam. Ein schöner alter Bus, der uns durch den Wald fuhr. Wunderbar ! So fand der Vormittag noch ein schönes Ende.

Was bleibt von diesem Besuch?

Versteht mich nicht falsch, aber wenn ein Gebäude für 6 Jahre schließt und man ein großes Programm ankündigt, dann sollte man auch mit Besuchern rechnen. Die Besuchermassen ergossen sich wie eine Lawine von der Fähre und standen dann hilflos da. Diese hätte man besser über die Insel führen müssen, bessere Hinweise was wo statt fand, wäre ein guter Anfang gewesen. So waren viele hilflos und es machte keinen Spaß.

Ich werde mein Glück später noch einmal versuchen, denn nur das Schloß wird renoviert. Die Insel ist weiter offen für alle und vielleicht sehe ich beim nächsten Mal auch die Pfauen. Darauf freue ich mich 🙂

Bis bald, Kerstin

Ein schöner Blick in das Teppenhaus des Schlosses

 

Allgemeines zu Besuch der Pfaueninsel
Pfaueninselchaussee 100

14109 Berlin

www.spsg.de

Die Fähre verkehrt in der Regel alle 15 Minuten.
März: 9 bis 18 Uhr
April: 9 bis 19 Uhr
Mai bis August: 9 bis 20 Uhr
September: 9 bis 19 Uhr

Öffnungszeiten

April bis Oktober: Samstag und Sonntag von 10 bis 17.30 Uhr

Bus 218