Die Meisterhäuser von Dessau

In den Zeitungen und auch im Rundfunk war in den letzten Monaten viel über die Meisterhäuser des Bauhauses in Dessau zu lesen und so standen sie natürlich ganz oben auf meiner Dessau-Liste. Da bei meiner Ankunft die Sonne strahlte, habe ich mich gleich auf den Weg gemacht – zum Wäldchen mit den Meisterhäusern und dem Kornhaus an der Elbe.

Die Siedlung mit den Häusern liegt idyllisch in einem kleinem Waldstück und ist gut zu Fuß zu erreichen. Man kann den braunen Wegweisern mit der Distanzangabe ohne Probleme folgen und steht dann Quasi am Eingang des Areals. Allerdings hat sich das erst am nächsten Tag erschlossen, zuerst wundert man sich einfach über das ungewöhnliche Gebäude direkt an einer Straßenecke.

Die Ensemble der Häuser hatte Walter Gropius für sich und seine 6 ältesten Kollegen konzipiert. Es gibt ein Direktorenhaus (Gropius und Nachfolger) und 3 verschachtelte Doppelhäuser, in denen die berühmtesten Maler und Künstler mit ihren Familien lebten.

Laszlo Moholy-Nagy und Lyonel Feiniger, Paul Klee und Wassily Kandisky, Georg Muche und Oskar Schlemmer zogen hier Ende der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein und lebten bis zur Schließung des Bauhauses (1932/1933) hier.

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Ich war zum ersten Mal hier und sehe das als einen Vorteil, denn so erschließt sich das ursprüngliche Konzept des Ensembles. Man hatte nach dem 2.Weltkrieg und nach der Wende versucht alles wieder aufzubauen, schlimme Veränderungen wurden rückgängig gemacht, die erhaltenen Häuser rekonstruiert. Was aber mit den zerstörten Gebäuden tun? Es entbrannte ein langer Streit und am Ende gab es eine Art Kompromiss, der mit dem Worten „Unscharfe Rekonstruktion“ gut umschrieben ist (entschuldigt, die lange Einführung).

Ich habe mir am ersten Tag bei strahlendem Sonnenschein und blauen Himmel die Häuser von Außen ansehen können und war begeistert. Klare Linien, schwarz-weiß, flache Dächer, große Terrassen und Wandelgänge. Dazu kommen riesige Fenster im Treppenhaus und Sichtachsen untereinander. Die Sonne warf scharfe Schatten auf die Häuser, aber alles in allem war ich begeistert. Ein ungewohnter Anblick sind die „neuen“ Gebäude. Sie stehen als Quader in der Landschaft, statt der Fenster und Balkone gibt es graue Flächen. Man hatte sich entschlossen es vage, unscharf zu erhalten. Ein umstrittenes Konzept.

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In die Gebäude selbst kommt man nur mit einer Führung (12.30 und 15.30), Karten gibt es im Bauhaus-Gebäude.
UNBEDINGT das Geld für die Führung ausgeben. Es lohnt sich, noch dazu mit einer so engagierten Führerin, die eine Stunde locker überzog und sich geschickt aus der Diskussion um die Konzepte zog. Auch in meiner kleinen Gruppe kam dieses Thema auf und war so vielfältig wie überall.

In den rekonstruierten Meisterhäusern wurde versucht das Farbkonzept von damals herzustellen, es gibt nur wenige Möbelstücke, beim Auszug nahmen die Künstler sie mit, die Nazis verkauften wohl den Rest. Trotzdem wurde sehr gut erkennbar wie unterschiedlich das Leben der Lehrer war.

Der absolute Höhepunkt waren aber das Direktorenhaus und das Doppelhaus-Haus Moholy-Nagy und Feiniger.
Hier passiert etwas etwas beim Betreten des Gebäudes – man wird erfasst und gefangen genommen oder auch nicht. Es sind Situationen oder Dinge, die man (ich) nicht erklären kann und möchte.
Warum auch? Kunst kann man nicht erklären. Seit ich eine Klanginstallatin von Brian Eno gehört gesehen habe, bin ich Fan. Eine Konzert im kleinen Schloßtheater Potsdams werde ich nie vergessen und die Ausstellung von Rosalie in Leipzig ist mir heute noch im Gedächtnis.
Also stellt sich für mich nie die „Warum“- Frage.
Ich kann nur sagen, es hat mich umgehauen. Die weißen Flächen, Verschachtelnden, leeren Räume, das Beton (?) – unbeschreiblich eindrucksvoll.

Man sieht die Quader in einem anderen Licht, auch von außen, denn durch das schlechte Wetter mußte man innen Licht machen und das schien durch. Sehr geheimnisvoll und verschwommen. Unscharf.
Diese Bezeichnung muss eine Eingebung gewesen sein, Glückwunsch. Ich hoffe, dass ich Euch neugierig auf mehr gemacht habe.

Bis dann, Kerstin

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