Fragen an Julietta von „julietta seasons | ein blog für alle jahreszeiten“

Fotomäßig war es ein toller Start ins Jahr 2014 – der „Food Styling & Photography Workshop“ in Münster. Und offensichtlich hat er nicht nur mich beeindruckt und inspiriert, Denn eine der Teilnehmerinnen hat danach ihren Blog gestartet: „julietta seasons“ – EIN BLOG FÜR ALLE JAHRESZEITEN. Mir hat das Konzept sehr gut gefallen und so habe ich sie gefragt, ob ich sie “interviewen” kann. Das Ergebnis gefällt Euch hoffentlich genauso gut wie mir.

Hallo Julietta, in Münster hattest Du noch keinen Blog, nun ein paar Wochen später bist Du eine Bloggerin!
Wie kam es dazu? Und wie lange hat es gedauert, bis der Blog stand ?

Das mit dem Bloggen kam ziemlich spontan. Der Foto-Workshop mit Liz & Jewels hat den letzten Schubs in die richtige Richtung gegeben. Zum Workshop bin ich durch Zufall gekommen. Bei einer Freundin habe ich eines Tages Liz kennengelernt. Und die erzählte ganz begeistert vom Workshop und schwuppdiwupp war ich angemeldet. Nach dem Workshop war ich dann infiziert und hatte innerhalb von Tagen meinen Blog.

Ich hoffe, es ist ok, dass ich Dein Workshop-Bild zeige. Mir gefällt das Arrangement sehr, vor allem weil man wirklich nicht viel Zeit hatte, das Thema umzusetzen.

Aber zu Deinem Blog: es geht ums Essen?

Ja, genau! 😉 Um saisonales Essen, gerne auch regional.
Halt zu versuchen das zu essen, was gerade wächst.

Im Moment läuft Dein Projekt „Essen, was gerade wächst“. Kannst Du das erläutern?

Ich esse total gerne, fast genauso gerne koche ich. Je länger ich mich mit Kochen beschäftigt habe, desto spannender fand ich Themen, wie Qualität und Herkunft von Lebensmitteln. Schnell ist man dann auch bei ethischen Fragen der Tierhaltung und Fragen der Nachhaltigkeit. Wir wohnen ganz nah an einem Bioladen, dort habe ich eine Menge gelernt über Zusatzstoffe im Essen, z.B. Rieselhilfe im Salz. Der Schock traf mich eines Tages, als ich Konservierungsstoffe in meinem Senf entdeckte (nicht aus dem Bioladen übrigens). Wie unsinnig! So kam es, dass ich mich immer mehr mit meinem Lebensmitteln beschäftigt habe. Saisonales Essen finde ich besonders spannend, weil es für mich einen so engen Bezug zu der Region hat, in der ich lebe. Das mag ich sehr.

Wo kaufst Du Deine Lebensmittel?

Ich kaufe gerne im Bioladen oder auf dem Markt um die Ecke. Dort achte ich besonders auf die Herkunft der Lebensmittel. Da ich in der Stadt wohne, habe ich leider keine Erzeuger direkt in der Nachbarschaft. Und mit dem Auto zu den einzelnen Erzeugern zu fahren, z.B. für Milch oder Eier, finde ich für einen Zweipersonenhaushalt auch nicht besonders ökologisch. Sonst wäre das mein Ideal. Genau zu wissen wo und wie meine Lebensmittel angebaut und erzeugt werden.

Früher wurden Lebensmittel kühl in der Speisekammer aufbewahrt. Ich erinnere mich daran, dass meine Großeltern im Herbst oft Kartoffeln und Äpfel eingelagert haben. Wie handhabst Du das?

Leider ist das eine Schwierigkeit. Ich kann in meiner Wohnung nichts kühl und trocken lagern, das habe ich bereits erfolglos versucht. Im Keller fehlt der Platz. Deshalb lagere ich im Moment nichts. Das würde ich aber gerne ändern, sobald wir einen eigenen Garten haben. Ich habe im Baumarkt so tolle Rollkisten gesehen, die aus einzelnen luftigen Holzkisten bestehen, in die man von vorne reingreifen kann. So eine kaufe ich sofort, sobald ich eine Speisekammer habe – für Möhren, Kartoffel und Äpfel.
Ein kleiner Tipp noch von einer Freundin zu wabbeligen Möhren aus dem Kühlschrank, die bislang immer im Müll gelandet sind – einfach einige Zeit in Wasser legen, dann saugt sich die Wurzel in der Regel wieder voll und man kann sie eventuell noch gut verwenden. Super, oder?

Toller Tipp, das werde ich probieren. Ich werfe solche Möhren wirklich weg. Sehr gut fand ich auch Deine Anleitung zum “Herstellen” von Butterschmalz. Aber das nur nebenbei 🙂
Wie beurteilst Du die Preisdiskussion? Das abschreckendste Beispiel sind für mich Kartoffeln im Glas. Ich wusste nicht einmal, dass es so etwas gibt. Allein das Aussehen stößt mich ab und dann ist es wirklich teuer und ungesund.

Puh, schwierige Frage!
Zu Preisen kann man ja allerhand diskutieren. Mir fallen spontan folgende Punkte ein:
Mir ist klar, dass tierische Produkte aus „guter“ Haltung teurer sein müssen, dann bezahle ich gerne mehr und esse weniger.
Ich überlege im Allgemeinen gut, wo ich einkaufe, sowohl bezogen auf deren Produkte (Wo kommen die Lebensmittel her? Ist die Milch vom Milchwerk um die Ecke oder aus Süddeutschland hertransportiert?), als auch auf den Umgang mit den Menschen, die dort arbeiten, insofern ich diese Informationen herausfinden kann. Häufig führt das dazu, dass ich für Artikel mehr bezahle, wenn sie z.B. aus dem Bioladen kommen. Trotzdem kann ich gut verstehen, dass viele Menschen darauf angewiesen sind sehr auf ihr Geld zu achten und es zum Teil eine Luxusposition ist, z.B. im Bioladen einkaufen zu können.
Um auch aufs Geld zu achten, versuche ich vor allem nicht unnötig zu viel einzukaufen und nur Produkte, die ich auch verbrauche. Das spart meiner Erfahrung nach bereits eine Menge Geld. Egal, wo ich einkaufe, achte ich darauf, dass ich so saisonal einkaufe, wie möglich.
Wenn ich regionales Gemüse kaufe, das gerade Saison hat, ist das übrigens ziemlich günstig! Das spricht aktuell für den Verzehr von Grünkohl. Gestern auf dem Markt 2kg für 3 Euro.
Kurz zu den Kartoffeln im Glas: Ich kaufe meine Lebensmittel möglichst “unverarbeitet, ohne gleichzeitig den praktischen Aspekt aus den Augen zu verlieren. Kartoffeln kaufe ich wenn möglich lose, d.h. nur, soviel ich brauche, in einer Papptüte (dann halten sie besser). Aber z.B. Krautsalat kaufe ich in der Regel bereits eingelegt. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das ja in den noch kommenden Kohl-Monaten.

Hast Du einen Plan, was Du kochen und dann verbloggen willst?

Ja, mittlerweile habe ein ganzes Heft voller Ideen und es werden ständig mehr. Trotzdem muss ich jedes Wochenende überlegen, was genau jetzt sowohl unseren aktuellen Geschmack und die Stimmung trifft, aber auch blogtauglich ist. Dreimal hintereinander das Gleiche zu bloggen, wäre vermutlich langweilig, nicht wahr? Ich habe auch mehrere größere Projekte geplant, die brauchen aber die richtige Zeit und die richtige Vorbereitung, dann wird etwas mehr Planungsaufwand notwendig werden.

Wie viel Zeit brauchst Du für einen Beitrag?

Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal geht es ziemlich schnell, sobald die Bilder fertig sind, manchmal brauche ich aber auch länger und muss den Beitrag noch einige Tage ruhen lassen und überarbeite ihn dann manchmal komplett. Zeit für Einkaufen, Kochen und Fotografieren ist aktuell nur am Wochenende und bei Tageslicht. Da komme ich manchmal in Zeitnot, wenn ich auch noch andere Termine habe. In der Regel beschäftige ich mich mit allem was zu einem Beitrag gehört ungefähr einen Tag, abgesehen von den Rezeptüberlegungen, die laufen zuvor immer zwischendurch.

Wie wichtig sind Fotos für Dich?

Schon ziemlich wichtig, ich bin aber noch lange nicht bei der gewünschten Qualität angekommen. Das gilt generell auch für mein Blog-Design. Da die Entwicklung des Blogs so fürchterlich schnell ging, laufen Fotografiertraining, Objektivanschaffung und Designumsetzung aktuell parallel. Ihr erlebt mich also live im meinem Lernprozess. Da fühle ich mich auch etwas beobachtet, finde die Erfahrung aber spannend.
Fotos finde ich wichtig – auf jeden Fall ein Grund für den Blog. Mein Essen wird darin ja quasi „unvergänglich“, bzw. das klingt ja so theatralisch, lieber so: es bleibt wie „ungegessen“. Da ich sehr viel Leidenschaft für das Kochen mitbringe und schönes Essen sehr bewundern kann, ist es wichtig und zeitgleich schwierig, es entsprechend atemberaubend auf Film festzuhalten. Da habe ich ziemlich hohe ästhetische Ansprüche, denen meine Fotos zum Teil noch nicht gerecht werden wollen. Pingelig bin ich, sagt mein Mann. 😉

Lesen Deine Freunde und Deine Familie Deinen Blog oder ist er eher geheim:)?

Noch wissen nur meine Foodblogfreunde und mein Mann von meinem Blog. Ganz aktuell habe ich auch meine Eltern eingeweiht. Sonst ist mein Blog irgendwie wie meine ganz private Welt, ganz unabhängig von meinen Freunden und Bekannten, die mich schon so lange kennen. Ich weiß gar nicht, wann ich das ändern möchte. Mal sehen 😉

Zum Schluss die Frage: was ist dein Lieblingsgemüse?

Mein liebstes saisonales & regionales Gemüse im Februar ist auf jeden Fall der Grünkohl. Ein All-Time-Favorite ist die Tomate. Aber mein aktueller absoluter Liebling ist die Avocado – eine leckere, vielseitige Beere. Für Ideen was man damit anstellen kann und einen Bericht über ein spannendes Bloggerinnen-Treffen zu diesem Thema, guckt doch mal auf meiner Seite vorbei!

Vielen Dank fürs das Interview. Ich wünsche Dir weiter viel Spaß und Erfolg beim Kochen und Bloggen.
Juliettas Blog findet Ihr unter der Adresse juliettaseasons.com
Die hier benutzten Fotos stammen von dort und unterliegen natürlich dem Copyright.

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