Fragen an René Pönitz, Mitglied der Piratenfraktion Treptow-Köpenick

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Heute möchte ich René Pönitz vorstellen, seit September 2011 in der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick. René ist Mitglied der Piratenfraktion und sitzt u.a. im Umwelt- und Haushaltsausschuss dieses Bezirks.

Hallo René, schön, dass Du Dir Zeit für meine Fragen genommen hast. Erzähle doch ein wenig von dir: Wer bist du? Und wo kommst du her?

Ich bin René, komme aus Pirna. Nach dem Studium bin ich 2007 nach Berlin gezogen – direkt an den Treptower Park.

Du hast einen Blog, der sich vor allem um politische und soziale Dinge dreht?

Ich betreibe den Blog bereits seit 2004. Damals ging es vor allem um Dresden, um Studium,
Webgestaltung und Reisen. Die politischen Themen sind erst in den letzten Jahren hinzugekommen.

Mit welchem Ziel oder Wunsch hast du ihn gestartet?

Ich wollte eine Webseite, in der ich chronologisch Beiträge einstellen kann, auf die kommentiert werden kann. Als ich fertig war und ihn gestartet habe, sagten andere: „Hey, du hast ein Blog!“ – „Ein Was?“

Politik spielt eine große Rolle in Deinem Leben.

Während meines Studiums war ich unter anderem im Studentenrat und Senats meiner Hochschule vertreten und mit der Hochschulpolitik vertraut. In der Stadt wurden die städtische Wohnungsbaugesellschaft verkauft und die Waldschlößchenbrücke, eine autobahnähnliche und völlig überdimensionierte Elbquerung, gebaut.

Dann zog es mich nach Berlin – und statt Waldschlößchenbrücke plante man hier Autobahnen durch Wohngebiete. Der Unterschied war nur, dass in Dresden die SPD dagegen war.

Die damalige Bundespolitik zwang mich 2009 förmlich zu den Piraten.
Vorratsdatenspeicherung, Zensurinfrastrukturen, Zentrale Datenbanken bei
der elektronischen Gesundheitskarte …

Und 2011 wurde ich überzeugt, doch für die Liste in der BVV zu kandidieren – als potentieller Nachrücker.

Was magst du an Berlin besonders und was am allerwenigsten?

Ich finde die Dezentralität von Berlin toll. Es gibt kein eigentliches Stadtzentrum, auf das alles ausgerichtet ist. Es erstreckt sich einfach auf eine breite Fläche. Auch mag ich, dass in Berlin der öffentliche Nahverkehr – trotz immer wieder vorkommender Probleme – gut ist. Und natürlich die Vielseitigkeit.

Was mag ich weniger? Wenn ich in mein unmittelbares Umfeld schaue die Veränderungen in Zuge der A100.

Thema Dezentralisierung. Ich bekomme oft Besuch aus Westdeutschland …

Also NRW, Rheinland, Saarland…

… die sehr verschieden auf die Stadt reagieren. Manche sind totalschockiert über die langen Wege in Berlin. Sie würden das nie auf sich nehmen und kein Auto! Geht das ?

Als ich nach Berlin kam, war mir schon klar, dass die Wege sehr schnell sehr weit werden können. Und dass man in Berlin eher im als auf’s Verkehrsmittel wartet.Ich hatte das Glück, dass ich sie mir so legen konnte, dass sie kurz sind. Und es ist der beste Luxus, den man in Berlin haben kann.

Ich habe gelesen, dass Berliner nicht pendeln. Wenn ich jeden morgen eine Stunde zur Arbeit fahre, dann ist das aus meiner Sicht pendeln 🙂

Definition Pendler aus der Wikipedia:
„Als Pendler werden Personen bezeichnet, die einen periodisch wiederkehrenden Wechsel zwischen Wohnort und Arbeits- bzw. Ausbildungsplatz vornehmen und dabei die Grenze ihrer Wohngemeinde überschreiten.“

Dank Groß-Berlin-Gesetz fahren sicher nicht wenige auch ne Stunde zur Arbeit, aber sie sind ja schon in Berlin. Das ist eher ne statistische Sache, ob der Speckgürtel um eine Stadt noch zur Stadt gehört. Auf dem Papier verschwinden jede Menge Pendler, wenn das Areal zwischen Duisburg und Dortmund zur Stadt „Ruhr“ fusioniert.

Stimmt, so habe ich das noch nicht gesehen. Zurück nach Treptow.
Dort sieht man täglich auf die „Baustelle“ A100. Hast Du als Politiker etwas dagegen machen können ?

Ich engagiere mich seit 2008 in der Bürgerinitiative Stadtring-Süd. Wir haben 2009 geschafft, dass mehr als 2.500 Leute Einwendungen abgegeben haben. Selbst die SPD hatte sich im Jahr 2009 knapp gegen die Autobahn ausgesprochen. Leider kippte die SPD im Jahr darauf erneut. Auf
gerichtlichen Wege konnten dann nur noch temporär, also bis zum nächsten Verlängerung zur Frankfurter Allee, zwei Gebäude in der Beermannstraße erhalten werden.
In der Bezirkspolitik kann man allerdings nichts gegen die Autobahn machen, denn die Entscheidungen fallen auf Landesebene.

Was beschäftigt Dich außerdem ?

Als Vision finde ich den fahrscheinlosen Nahverkehr wegweisend.

Nicht nur aus sozialen Aspekten, auch aus stadtökologischen Sicht. Weniger sich bewegende Autos heißt immer auch weniger Abgase, weniger Schadstoffe, weniger Lärm und auch weniger Unfälle.

Auch die Nachvollziehbarkeit von politischen Entscheidungen ist mir wichtig. Und die bessere Einbindung von den Bewohnerinnen und Bewohnern bei bevorstehenden Entscheidungen, wie bspw. für den Spielpark. Und, blicke ich auf die Entwicklungen des Wohnungsmarktes, wird
deutlich, dass etwas getan werden muss für das Angebot an Wohnungen für Menschen mit kleinem Geldbeutel.
Das Problem ist, dass viele wichtige Dinge im Bezirk nicht angegangen werden können.

Zum Schluß noch eine Frage zu den aktuellen Projekten in Treptow-
Köpenick.

In den letzen Monaten standen viele Bebauungspläne auf der Tagesordnung, so u.a. Marienhain, Makarenko-Quartier und Regatta-Quartier. Daneben besteht die BVV-Arbeit oftmals aus vielen einzelnen Anträgen, wo etwas zu verbessern gibt. So aktuell bspw. die einen durchgehenden
Fußweg entlang des Heidekampgrabens oder eine Erinnerung an den einstigen Straßenbahntunnel nach Stralau.

Das hört sich spannend an.  Gerade der der Straßenbahntunnel ist fast vergessen.

Wer neugierig geworden und mehr wissen möchte, kann hier weiterlesen:

Spreetunnel

René Pönitz

Piratenfraktion

Ich wünsche Dir viel Erfolg bei den Projekten.
Und vielen Dank für das Gespräch.

Das Foto zeigt das Rathaus Treptow und stammt von mir.

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