Historische Salzgewinnung – Blick auf das Gradierwerk in Bad Kösen

Heute gibt es wieder einen Gastbeitrag von Ulrich.

+

Bad Kösen, seit 2010 Ortsteil von Naumburg/Saale, besitzt ein Gradierwerk, eine Anlage zur Salzgewinnung aus Solequellen. Das etwa 25 m hohe Bauwerk ist schon bei der Anfahrt mit der Bahn von weitem gut auszumachen.

Was ist ein Gradierwerk ?

Gradierwerke zeigen das Vorhandensein von zugänglichen Salzvorkommen im Untergrund der Landschaft an. Salzsole (das ist eine wässrige Lösung von Salzen) verdunstet hier beim Herabrieseln über in Türmen aufgeschichtete Reisigbündel, hierzu eignet sich besonders Reisig der Schlehe, wobei sich der Konzentrationsgrad der Salzsole erhöht und sich die Beimengungen von Gips und Kalk am Reisig abscheiden. Die eigentliche Salzgewinnung schloss sich dann durch Auskristallisation des Speisesalzes in erwärmten Pfannen an, im 18. Jh. die Methode der Salzgewinnung. Das Gradierwerk in Bad Kösen in seinen jetzigen Ausmaßen wurde im Jahr 1859 errichtet, nachdem schon hunderte Jahre zuvor, die entdeckten Kösener Solequellen ausgebeutet wurden.

 

 

 

Salzgewinnung im großen Maßstab

Heute kann man einen Nachbau des Ensemble besuchen, das nach der Wende errichtet wurde.
Ein in Europa einmaliges Kunstgestänge durchzieht einen Teil des Ortes, über ein Pumpwerk wird Wasser durch diese Anlage geschickt, sehr anschaulich, welchen Aufwand die Salzgewinnung vor Aufkommen des industriellen Salzbergbaues (zuerst in Staßfurt nach 1870) erforderte.
Zurzeit steht das Pumpwerk still; die Schädigung tragender Fundamente durch ein Hochwasser ließen Teile instabil werden. Die erforderlich gewordenen baulichen und technischen Ausbesserungen sollen Mitte 2018 abgeschlossen sein.

 

Der Betrieb des Gradierwerkes selbst, heute zu Heilzwecken, ist heute natürlich völlig unabhängig von diesem Pumpwerk. Wahrscheinlich müssen die in den Kureinrichtungen Heilsuchenden nicht mehr regenkapuzenbehangen den Aufstieg in die Türme wagen, da anzunehmen ist, dass ihnen die Sole in den Gebäuden zur Verfügung steht.

 

 

Als Besucher hat man die Möglichkeit das Innere des Gradierwerkes zu besichtigen. Die Öffnungszeiten finden sich auf der Webseite des Heilbades.
http://www.badkoesen-heilbad.de/

U.W.

Resümee des Besuches in Bad Kösen

Das Gradierwerk ist wirklich bemerkenswert und lohnt einen Besuch. Wir sind extra dorthin gefahren und sind zum ersten Mal auf das Problem Öffnungszeiten und Tourismus gestoßen. Am Montag ist fast überall alles geschlossen, Museen, Restaurants, Cafés. Das Gradierwerk hat zum Beispiel
nur am WE und an Feiertagen geöffnet, und dann auch nur von 13/14 Uhr bis 16/17 Uhr. Und in der Woche ? Das haben die Touristen Pech. Und die Radwanderer auf den tollen Wegen …
Schade. Also einmal ums Gradierwerk laufen, kurz in den schönen Shop mit Plüschtieren und dann ein Restaurant oder Café suchen. Leider auch hier interessante Öffnungszeiten, meine Auswahl (Freitag 17.30 bis 22.00 Uhr Samstag 11.30 bis 14.00 Uhr und 17.30 bis 22.00 Uhr Sonntag 11.30 bis 14.00 Uhr oder Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 22 Uhr geöffnet,
Mi., Do. und Fr. Kaffeepause von 14 bis 17 Uhr)

Ich wundere mich und die vielen Besucher, die leider von den Orten nicht wahrgenommen werden, weil ja geschlossen ist. So entstehen Kreisläufe, die zu Äußerungen führen – zu wenig Touristen. Wieso wohl ? So, dieser Diskurs stammt von mir, wie auch das Video vom Gradierwerk.
Danke fürs Lesen und Sehen sagen Ulrich und Kerstin

Written By
More from Kerstin

Ein Workshop im “Amt”

Der Workshop „Kein Blog ist auch keine Lösung“ fand an einer tollen Location...
Read More