Wo warst Du am 9. November 1989 ?

Oliver Welke meinte in der „heute show“, dass es nerve, wenn alle möglichen „Promis“ gefragt werden wo sie waren. Nun sehe ich solche Sendungen offensichtlich nicht, denn außer Udo Lindenberg und Angela Merkel habe ich niemanden gehört. Vielleicht ein Grund, warum ich kein Problem damit habe, die Frage zu beantworten, zumal keine große Geschichte dahinter steckt.

Denn meine Antwort ist langweilig: im Bett. Schließlich war am nächsten Tag Arbeit angesagt.
In meiner Familie lief eigentlich nie das DDR-Fernsehen (ehrlich, das war möglich) und so habe ich auch kaum die Aktuelle Kamera gesehen. Klar in der Wendezeit war das etwas etwas anders, aber daß ich nur vor dem TV saß, kann ich nicht sagen.
Als ich dann am nächsten Tag von der Grenzöffnung gehört hatte und erfuhr, mein Bruder war in Westberlin, hatte ich schon Angst um ihn. Man wußte ja nie, aber er hatte schon immer seinen eigenen Kopf und sah das offensichtlich nicht so.

Ich habe danach fast nur vor dem Fernseher gesessen – SBF und Abendschau gehörten einfach zu meiner Vergangenheit (Elternhaus) und da bekam man alles mit.
Natürlich bin ich am Abend zum Brandenburger Tor, aber die Grenze überquert habe ich erst am Wochenende danach.

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Am Wochenende vom 11./12. November gab es auf jeden Fall ein deutsch-deutscher Familientreffen in Westberlin. Hamburg, Brandenburg, Ost- und Westberlin. Auch hier kann ich mich nicht erinnern wie wir uns verabreden konnten, wir hatten keine Telefone und die im Büro durfte man nicht für persönliche Dinge benutzen. Ich schätze, wir haben uns nicht daran gehalten, anders kann ich es nicht erklären. Meine „Hamburger“ kamen schon am Abend in Westberlin an und machten diese Bilder.

mauernacht

Das Treffen fand am 11.11. statt und war wirklich unvergesslich, auch weil mein Bruder am diesem Tag Geburtstag hatte. Wie alle sind wir zum Kudamm gelaufen, waren auf dem Potsdamer Platz und ich habe mein erstes Hägendaz-Eis gegessen. Was für ein Schock als ich den Preis hörte, noch dazu in Westmark. Da kann man wirklich sagen: Wahnsinn! Am Ende des Wochenendes standen wir auf dem Bahnhof Zoo und fuhren in alle Himmelsrichtungen nach Hause. Meine Mutti war Lehrerin in Brandenburg und erzählte mir irgendwann einmal, dass man ihr selbst zu diesem Zeitpunkt noch „verboten“ hatte nach Westberlin zu fahren. Die Schulleitung hatte offensichtlich noch nichts verstanden und wurde kurz danach abgelöst. Tragischerweise stellten sich IM’s an die Spitze und hatten eine ganze Weile freie Hand bis man die Stasiakten gefunden hatte. Auch so eine Wendegeschichte.
Bisher hatte ich nur ein paar schwarz-weiß Bilder, aber ich habe meine Tante gefragt und sie hat mir in der letzten Woche ihre Negative geschickt. Auch hier gibt es den West-Ost-Unterschied – ihre Bilder sind in Farbe.

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My beautiful picture

Ein interessanter Vergleich, oder ?
Hier sind die anderen Bilder – auch neu für mich, vor allem die Qualität. Ich habe sie verkleinert, hoffe aber man spürt die Atmosphäre, auch weil es persönliche Bilder sind.

familie

mauer

quartett

Soweit meine Erinnerungen an den Tag des Mauerfalls bzw. das Wochenende danach.

Kerstin

3 Kommentare

  1. Tolle Bilder. Großartig. Vor allem auch die Gegenüberstellung.
    Herzlichen Dank für diesen persönlichen Einblick.

    Viele Grüße,Doreen

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